Sankt Petersburg – Zwischen sowjetischer Tradition und westlicher Modernität

Matrjoschkas, Pelzmützen und sowjetischen Kitsch auf dem Souvenir Markt
Matrjoschkas, Pelzmützen und sowjetischen Kitsch auf dem Souvenir Markt hinter der Erlöserkirche

Vor der Metrostation kauern Babuschkas auf niedrigen Holzschemeln und verkaufen kleine Blumensträuschen. Eingezwängt in einem winzigen Glaskasten oberhalb der unendlich langen Rolltreppe sitzt regungslos eine Aufpasserin und starrt apathisch in ihren Monitor. Aus den Lautsprechern dröhnen die Verhaltensregeln: „Stojte sprava, prokhodite sleva …!“ befiehlt eine strenge weibliche Stimme im militärischen Tonfall. Wir bleiben folgsam rechts stehen und lassen einen grimmig schauenden, gehetzten Menschenstrom in Reih und Glied links an uns vorbeimarschieren. Am unteren Ende der Treppe langweilt sich eine weitere Metrofrau in einer Glaskabine von einem Quadratmeter Größe. Das dämmrige Kunstlicht spiegelt sich in ihrem Gesicht und lässt es fahl und kalt wirken. Prunkvoll strahlen die Kronläuchter in den palastartigen Marmorhallen der Metro.

Straßenmusikerin auf dem Newski Prospekt
Straßenmusikerin auf dem Newski Prospekt

Wir steigen am Newski Prospekt aus und schlendern Richtung Erlöser-Kirche, besser bekannt als Blutkirche. Wie ein übergroßes Lebkuchenhaus eines russischen Meister-Konditors steht sie da mit ihren bunten Zwiebeltürmen aus Zuckerguss, verziert mit goldenen Perlen. Wir fragen uns, ob sie von einem übergroßen Hühnerfuß im Gribojedow-Kanal gestützt wird und fühlen uns in der Vermutung mächtig bestätigt, als wir am Eingang Baba Jaga stehen sehen. Sie lockt die Passanten, die betört von der schönen Farb- und Formvielfalt des Bauwerks noch unentschlossen vor den Kassenhäuschen stehen, ins Innere der des heutigen Mosaik-Museums.

Wenige Meter hinter der Auferstehungskirche lässt ein kleiner Souvenirmarkt am Kanal Gribojedowa das Kitschherz kosakische Purzelbäume schlagen. Pausbäckige Matrjoschkas, schillernde Fabergé-Eier, russische Pelzmützen und allerlei anderer sowjetischen Kitsch werden an den Ständen gut sortierten und ordentlich aufgereiht angeboten. Jeder noch so abtrünnige Wunsch nach Klischees russischer Souvenir- geht hier in Erfüllung.

Die Christi-Auferstehungskirche, bekannt als "Erlöser auf dem Blut", wurde zu Ehren des Zaren Alexander II errichtet, der am 1. März 1881 an der Stelle bei einem Attentat tödlich verwundet wurde.
Die Blutkirche wurde zu Ehren des Zaren Alexander II errichtet, der am 1. März 1881 an der Stelle bei einem Attentat tödlich verwundet wurde.
Kronleuchter in der Metro von Sankt Peterburg: Station Awtowo
Kronleuchter in der Metro von Sankt Peterburg: Station Awtowo

Noble, hochpreisige Boutiquen und moderne Coffee-to-go-Ketten säumen den Newsky Prospekt.

Café Singer auf dem Newski Prospekt
Café Singer auf dem Newski Prospekt
Dreifaltigkeitskathedrale (Troitski-Kathedrale)
Dreifaltigkeitskathedrale (Troitski-Kathedrale)
Straße in Sankt Petersburg
Straße in
Sozialistisches Monument
Sozialistisches Monument
Smolny-Kathedrale
Smolny-Kathedrale
Die Kasaner Kathedrale am Newski-Prospekt in Sankt Petersburg
Die Kasaner Kathedrale am Newski-Prospekt