
Vor der Metrostation kauern Babuschkas auf niedrigen Holzschemeln und verkaufen kleine Blumensträuschen. Eingezwängt in einem winzigen Glaskasten oberhalb der unendlich langen Rolltreppe sitzt regungslos eine Aufpasserin und starrt apathisch in ihren Monitor. Aus den Lautsprechern dröhnen die Verhaltensregeln: „Stojte sprava, prokhodite sleva …!“ befiehlt eine strenge weibliche Stimme im militärischen Tonfall. Wir bleiben folgsam rechts stehen und lassen einen grimmig schauenden, gehetzten Menschenstrom in Reih und Glied links an uns vorbeimarschieren. Am unteren Ende der Treppe langweilt sich eine weitere Metrofrau in einer Glaskabine von einem Quadratmeter Größe. Das dämmrige Kunstlicht spiegelt sich in ihrem Gesicht und lässt es fahl und kalt wirken. Prunkvoll strahlen die Kronläuchter in den palastartigen Marmorhallen der Metro.

Wir steigen am Newski Prospekt aus und schlendern Richtung Erlöser-Kirche, besser bekannt als Blutkirche. Wie ein übergroßes Lebkuchenhaus eines russischen Meister-Konditors steht sie da mit ihren bunten Zwiebeltürmen aus Zuckerguss, verziert mit goldenen Perlen. Wir fragen uns, ob sie von einem übergroßen Hühnerfuß im Gribojedow-Kanal gestützt wird und fühlen uns in der Vermutung mächtig bestätigt, als wir am Eingang Baba Jaga stehen sehen. Sie lockt die Passanten, die betört von der schönen Farb- und Formvielfalt des Bauwerks noch unentschlossen vor den Kassenhäuschen stehen, ins Innere der des heutigen Mosaik-Museums.
Wenige Meter hinter der Auferstehungskirche lässt ein kleiner Souvenirmarkt am Kanal Gribojedowa das Kitschherz kosakische Purzelbäume schlagen. Pausbäckige Matrjoschkas, schillernde Fabergé-Eier, russische Pelzmützen und allerlei anderer sowjetischen Kitsch werden an den Ständen gut sortierten und ordentlich aufgereiht angeboten. Jeder noch so abtrünnige Wunsch nach Klischees russischer Souvenir-Kultur geht hier in Erfüllung.


Noble, hochpreisige Boutiquen und moderne Coffee-to-go-Ketten säumen den Newsky Prospekt.





